Sabbatjahr für Arbeitnehmer

sabbatjahr

Die Formen und Modelle eines Sabbatjahr bzw. Sabbatical sind in der freien Wirtschaft um einiges vielfältiger, als beim Staat. Laut einer Forsa-Umfrage würden sich gerne 38 % aller Deutschen für einige Zeit aus dem Job ausklinken. Unter Managern und Führungskräften beträgt die Quote sogar 69 %, wie eine Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles aufzeigt. Glücklicherweise bieten immer mehr Firmen solche Arbeitszeitmodelle an, als noch vor 6 Jahren. Jedoch findet man die Möglichkeit ein Sabbatjahr zu nehmen in der Regel nur in größeren Unternehmen wieder.

Falls in Ihrer Firma keine Regelung bezüglich des Sabbatjahr besteht und sowas nicht gewünscht ist, sollten Sie vielleicht auch über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken. Denn schließlich ist jeder seines Glückes Schmied 😉 Welche Formen und Modelle es gibt, wie ein Sabbatjahr beantragt wird, welche Unternehmen sowas anbieten und noch vieles mehr erfahren Sie in den unten folgenden Aufzählungen.

Gründe warum Sie ein Sabbatjahr/Sabbatical nehmen sollten

Vorab: Wenn Sie zu diesem Thema eine Sache ganz besonders beherzigen sollten dann, dass Sie solch einen Antrag auch wirklich stellen sollten und sich nicht lediglich nur darüber informieren. Verlieren Sie sich nicht in reinen Tagträumen wie schön es doch wäre ein Jahr zu Hause zu bleiben oder eine tolle Reise zu unternehmen. HANDELN Sie, nachdem Sie diesen Beitrag bzw. diese Homepage durchgelesen haben und scheuen Sie sich nicht bei Ihrem Chef nachzufragen. Wegen einer reinen Frage wird niemand gekündigt. Im schlimmsten Fall werden Sie nur angebrüllt und des Raumes verwiesen. Es gab noch keinen Fall, in dem der Chef jemanden buchstäblich gefressen hat 😉 Lesen Sie doch einfach in ein paar ausgewählten Büchern nach, wie andere Menschen erfolgreich ein Sabbatjahr beantragt haben und welche spannenden Momente sie während dieser langen Freizeit erleben durften. Trauen Sie sich, in dem Sie sich ein motivierendes Nachschlagewerk zulegen.

„Tu, was Du in deinem Herzen für richtig hälst. Kritik erntest Du sowieso. Du bist verdammt, wenn Du es tust, und verdammt, wenn Du es lässt.“ 

 Unsere passenden Buchempfehlungen im Überblick

Inhaltsübersicht

Marc’s Malediventrip im Sabbatjahr 2006

1. Rechtlicher Anspruch auf ein Sabbatjahr

2. Formen und Modelle

3. Die Beantragung – Chef überzeugen

4. Der Vertrag zum Sabbatjahr

5. Welche Firmen bieten ein Sabbatjahr an?

6. Kostenlose und nützliche EBooks

 

 

1. Habe ich einen rechtlichen Anspruch auf ein Sabbatjahr?

Anders als Beamte haben Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft leider keinen Anspruch auf ein Sabbatjahr.  Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat am 17.05.2006 entschieden, dass der Arbeitnehmer einen solchen Anspruch nicht aus § 8 Abs. 4 TzBfG herleiten könne. Jedoch hat der Arbeitnehmer, nach § 8 Abs. 4 TzBfG, einen Anspruch auf Verringerung seiner Arbeitszeit, wenn natürlich keine betrieblichen Gründe entgegenstehen (Aktenzeichen: 12 Sa 175/06). Sie haben also keinen Anspruch, sobald Ihr Arbeitgeber betriebliche Belange anführt. Egal ob Sie der Meinung sind, dass Ihr Chef aus Willkür, Missgunst oder Antipathie handelt. Wenn allerdings ein anderer Kollege von Ihnen ein Sabbatical genehmigt bekommt und Sie nicht, greift hier das Verbot der Ungleichbehandlung. Dann darf er Ihnen ein Sabbatjahr nicht verweigern.

2. Formen und Modelle

Grundsätzlich gibt es in der freien Wirtschaft keine besonderen gesetzlichen Regelungen was ein Sabbatjahr betrifft. In der Regel beträgt die Auszeit zwischen 3 und 12 Monaten. Jedoch unterliegt die Regelung der freien Gestaltung. Daher gibt es auch die verschiedensten Varianten. In diesem Beitrag sind daher die bekannteren Modelle aufgeführt.

Nach dieser Ruhezeit lebt das Arbeitsverhältnis wieder auf und der Arbeitnehmer muss wieder beschäftigt sowie entlohnt werden. Genau wie Ihr Arbeitsvertrag kann auch ein Sabbatjahr frei verhandelt werden. Was dabei zu beachten ist erfahren Sie in diesem Beitrag weiter unten. Sollten Sie in einem großen Unternehmen tätig sein, das solche Arbeitszeitmodelle anbietet, wird es keinen großen Verhandlungsspielraum mehr geben. Da haben normalerweise schon die jeweiligen Betriebsräte bei den Verhandlungen gute Arbeit geleistet. In diesem Fall werden Vordrucke vorhanden sein, die Sie ohne Bedenken ausfüllen können.

 

Sabbatjahr – Variante 1

Ähnlich wie bei den Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst arbeitet der Arbeitnehmer zunächst bei gleicher Arbeitszeit zu einem niedrigeren Gehalt. Parallel werden dazu auf einem Arbeitszeitkonto Stunden gut geschrieben.

Beispiel: Angenommen wir haben den 01.01.2012 und Sie möchten ab dem 01.01.2016 ein Jahr bezahlten Urlaub in Anspruch nehmen. Bis dahin sind es also noch 4 Jahre. Dann arbeiten Sie 4 Jahre Vollzeit bei 4/5 vom Arbeitslohn. Das fünfte Jahr haben Sie dann komplett frei (Sabbatjahr). In diesem Freizeitjahr bekommen Sie weiterhin 4/5 vom Gehalt ausbezahlt. Das Ganze gibt es in verschiedenen Jahresstufen. Wer solche Gehalteinbußen finanziell nicht verkraften kann oder möchte, findet in einem anderen Beitrag viele Lösungsvorschläge und Tipps, wie man in der Auszeit sehr gut über die Runden kommt. Ein Geldpolster ist in jedem Fall zu empfehlen.

Ein großer Vorteil bei diesem Arbeitszeitmodell ist, dass der Arbeitgeber weiterhin die Sozialversicherungsbeiträge zahlt. Somit müssen Sie sich nicht selber für eine Krankenversicherung aufkommen, welche ziemlich teuer werden könnte.

ACHTUNG:

Da Ihnen in dieser Zeitspanne weniger Gehalt gezahlt wird, müssen Sie vorher unbedingt abklären, wie sich das auf Ihre Rentenbeiträge auswirkt. Innerhalb dieser 5 Jahre fehlt Ihnen ein Jahr an vollem Gehalt. Zum Verständnis: 4 Jahre arbeiten, das fünfte Jahr frei, bei 4/5 vom Gehalt. Es fehlen also 5 Jahre lang jeweils 1/5 vom Gehalt. 1/5 multipliziert mit 5 Jahren macht 1 Jahresgehalt wovon eventuell die Rentenbeiträge fehlen. Wenden Sie sich daher vorher an Ihren Arbeitgeber oder die Rentenkasse (Deutsche Rentenversicherung Bund).

 

Falls Sie sich als Angestellter in der misslichen Lage befinden diese Beiträge selber zahlen zu müssen, benötigen Sie wichtige Hinweise zu den Sozialversicherungen.

Weitere Maßnahmen zur Vorsorge um unkompliziert in ein Sabbatjahr zu starten wie z.B. Krankenversicherung, die Regelung zur Rückkehr an den Arbeitsplatz, Checklisten, Reisevorbereitung, Auslandsschutz u.v.m. finden Sie hier.

 

Sabbatjahr – Variante 2

Langzeitkonto: Hierbei werden über einen sehr langen Zeitraum Plusstunden/-tage gesammelt. Entstehen kann sowas durch nicht genommenen Urlaub oder Überstunden. Jedoch sind die Vorgaben nach dem Bundesurlaubsgesetz zu beachten. Fragen Sie dafür in ihrer Personalabteilung nach.

 

3. Wie beantrage ich ein Sabbatjahr?

Wie Sie ihren Chef von einem Sabbatjahr überzeugen können und welche Argumente wichtig sind erfahren Sie in unserem kostenlosen E-Book („Vorgesetzter vs. Sabbatical“), welches Sie auf der rechten Seite dieser Homepage finden.

In diesem Abschnitt („Sabbatjahr für Arbeitnehmer“) geht es um die rein formelle Beantragung eines Sabbatical, welche keiner größeren Erklärung bedarf.

Falls es dazu in Ihrem Betrieb keine Vordrucke geben sollte, wenden Sie sich an den Betriebsrat, die Personalabteilung oder direkt an Ihren Chef. Fragen Sie nach was alles in dem Antrag aufgeführt sein muss. Ansonsten verfassen Sie einfach ein formloses Schreiben (normaler Brief), in dem Sie das Sabbatjahr beantragen unter Angabe der zeitlichen Dauer.

 

4. Der Vertrag zum Sabbatjahr

In größeren Unternehmen gibt es auch dazu Vordrucke bzw. Richtlinien.

Eine schriftliche Vereinbarung ist in jedem Fall Pflicht. Darin werden wichtige Punkte wie z.B. die Wiederaufnahme der Arbeit, Lohnfortzahlung und die Sicherung des Arbeitszeitkontos im Insolvenzfall (Wertguthaben insolvenzsicher angelegt) vereinbart.

Andere wichtige Inhalte sind:

  1. Die Dauer des Sabbatjahres (von/bis)
  2. Die An-/Verrechnung von Krankheitstagen
  3. Das Modell bzw. wie die Zeit angespart wird
  4. Ein Kündigungsausschluss während der Abwesenheit
  5. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz

 

5. Welche Firmen bieten ein Sabbatical an?

Beispiele:

–          Accenture GmbH

–          Berliner Wasserbetriebe

–          BMW

–          Condat DV-Beratung Organisation & Software GmbH

–          Corus Aluminium Voerde

–          Credit Suisse

–          Deutsche Post AG

–          Dresdner Bank AG

–          Du Pont

–          Fink und Fuchs Public Relations AG

–          Hamburger Gas- und Elektrizitätswerke

–          Hewlett-Packard

–          IBM Schweiz

–          Ketchum GmbH

–          Kraft Foods Deutschland

–          McKinsey

–          Metron AG

–          Migros

–          Öffentlicher Dienst

–          Otto Versand

–          Roland Berger Strategy Consultant

–          Societät Hengeler Müller

–          Siemens

–          Unilever

–          Voith

–          Volkswagen

–          Zweites Deutsches Fernsehen

Eine detaillierte Übersicht finden Sie beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

 

6. Kostenlose und nützliche Ebooks zum Thema Sabbatjahr/Sabbatical

– Ebook von der TU Dresden

– Ebook von Bewerberaktiv.de

 

Wichtige Gesetze und Paragraphen:

– Flexi II Gesetz von 2009 (Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen)

– Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG)

– Bundesurlaubsgesetz

 

Trauen Sie sich jetzt!

Es wird Ihnen niemand den Kopf abreißen. So stark kann Ihr Chef nicht sein 😉 Haben Sie keine Angst vor Ihrem Vorgesetzten und beantragen Sie ein Sabbatjahr. Was haben Sie dabei zu verlieren? Mehr als „Ja“ oder „Nein“ sagen geht nicht.

Jeder ist seines Glückes Schmied. Handeln Sie danach!

 

Schauen Sie doch einfach mal in unserer Bücherecke vorbei. Dort finden Sie interessantes Wissen zum Thema Sabbatjahr, Aussteigen, Burnout, persönlicher Erfolg uvm.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Haben Sie Anregungen oder möchten Sie mehr über ein Thema erfahren? Feel free to comment

Gruß
Marc und Alex
Sabbatical 24 – Ich bin dann mal weg.

 

2 Kommentare:

  1. Ich bin Arbeitgeber und möchte für zwei Mitarbeiter ein Sabbatjahr ermöglichen. Hierfür wäre es hilfreich zu wissen, welches die rechtlich einfachste Möglichkeit im Sinne von Option 2 wäre. Aus meiner Laiensicht scheint mir das Einfachste die Mitarbeiter ändern jetzt ihren Vertrag von Vollzeit auf 75%-Teilzeit – arbeiten aber trotzdem Vollzeit weiter, sodaß sich das Langzeitkonto mit Überstunden füllt. Nach 3 Jahren hat der Arbeitnehmer dann so viele Überstunden angespart, dass er diese dann innerhalb eines Jahres „abfeiert“. Lohn und Versicherungen laufen dann innerhalb dieses Sabbatjahres einfach weiter. Auch der Anstellungsvertrag geht normal weiter, da ja nur Überstunden abgefeiert werden.
    Ist sowas möglich?
    Vielen Dank,
    Bernhard Schulz

  2. Pingback: Der Unterschied zwischen Sabbatjahr und Sabbatical

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